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Auto-Flops - Die Schlußlichter der Zulassungsstatistik 2012

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honda-insight-smallTrotz Finanz- und Wirtschaftskrise geht es der Auto-Industrie (noch) leidlich gut. Den boomenden Märkten in Amerika und China sei Dank. Freilich kränkelt dennoch so mancher Hersteller bedenklich – darunter ehrwürdige Namen mit großer Tradition. Oft sind die Absatzprobleme freilich hausgemacht – etwa aufgrund einer unglücklichen Modellpolitik oder einer verfehlten Marketingstrategie. Reifentrends.de wirft einen Blick in die aktuellen Zulassungs-Statistiken des Kraftfahrtbundesamt – und auf einige Schlusslichter des Jahres 2012.

Ach, in den hochglänzenden Prospekten ist die Autowelt noch in Ordnung. Da sieht jeder PKW immer heißbegehrt aus. Die Landschaften wirken oftmals atemberaubend und die Insassen stets happy. Doch Photoshop und dauerfröhliche Models verhelfen dann doch nicht jedem Produkt zum Verkaufserfolg. Die nüchternen Zahlen der Zulassungsstatistiken des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) sprechen nämlich eine andere Sprache als die vermeintlich heile Werbe-Welt. Tatsächlich gibt es Autos, die kaum einer will. Okay, nicht jeder Wagentyp ist als Kassenschlager konzipiert. Manchmal geht es einem Hersteller gewiss auch bloß um die Besetzung einer – offenkundig recht kleinen – Nische. Oder ihm ist lediglich daran gelegen, überhaupt eine Präsenz auf bestimmten Marktsegmenten zu zeigen bzw. eine vollgültige Produktpalette vorzuweisen. Ob manch magere Absatzzahl in den jeweiligen Fahrzeugklassen allerdings der Reputation wirklich dienlich ist, haben schlussendlich die Marketing- und PR-Strategen der betreffenden Hersteller zu entscheiden.

Denn unbestritten gibt es im breiten Neuwagen-Angebot echte Ladenhüter, die wie Blei in den Ausstellungsräumen der Händler stehen. Da helfen weder gute Worte noch satte Rabatte. Zuweilen lassen sich die Verkaufszahlen des einen oder anderen Fahrzeugs sogar recht bequem an den sprichwörtlichen zehn Fingern abzählen. So blieb zum Beispiel der Ford Mustang mit nur sieben verkauften Exemplaren klar im einstelligen Bereich.

Doch Vorsicht vor allzu vorschnellen Abqualifizierungen! Auch Verkaufsflops können per se durchaus gute Autos sein. Denn nicht selten verweigern die Entscheidungen der Chefetagen ihren Modellen oder gar kompletten Marken einen profitablen Marktzugang und damit einen entsprechenden Verkaufserfolg. Bekanntermaßen kann die GM-Tochter Opel hiervon ein trauriges Lied singen. Somit weist die KBA-Statistik also auch Import-Exoten oder etliche Auslaufmodelle wie zum Beispiel den VW Fox oder den Saab 9-3 aus. Von solchen und ähnlichen Modellen waren insofern von vornherein keine großen Margen zu erwarten.

Deutlich optimistischer waren hingegen die Umsatzhoffnungen im Bereich der Elektromobilität. Man bedenke: Eine Million Elektro-Autos sollen nach Willen der Bundesregierung in nur wenigen Jahren nahezu lautlos über die bundesdeutschen Straßen sausen. Derlei Ankündigungen weckten bei den Fahrzeugherstellern natürlich gesteigerte Erwartungen auf üppig subventionierte Absatzmärkte und entsprechend hohe Verkaufszahlen. Die Entwicklungsabteilungen der großen Hersteller machten sich sogleich mit Hochdruck an die Arbeit, um den Vorsprung anderer Produzenten, namentlich von Toyota, aufzuholen. Und natürlich wurde auch die Werbetrommel kräftig gerührt. Mittlerweile hat beinahe jeder Hersteller von Rang moderne Hybrid- und Elektrofahrzeuge entweder bereits im Verkaufsprogramm oder aber wenigstens als Vorzeige-Projektstudie im Portefeuille. Dennoch will der zündende Funke einfach nicht auf den Markt bzw. den Kunden überspringen. Die Probleme sind bekannt und werden noch auf absehbare Zeit das Gros der Berufspendler vom Kauf eines Elektro-Automobils abhalten: Geringe Reichweite, unsichere Akkulebensdauer und hohe Preise erschweren das Geschäft.

Angesichts der generell schwachen Verkaufszahlen kann Opel sich direkt glücklich schätzen, mit dem Ampera endlich mal die Spitze eines Markensegments zu besetzen. Doch reichen dafür schon 800 verkaufte Exemplare. Ordentliches Geld werden die klammen Rüsselsheimer mit diesen Abverkäufen jedoch kaum verdienen. Für die Mitbewerber sieht es noch kümmerlicher aus. Trotz aufwendiger Werbe-Kampagnen vermögen Fahrzeuge wie der Mitsubishi i-MiEV oder der Peugeot iOn keine Begeisterung bei Deutschlands Autofahrern zu wecken. Insofern werden sich die Hersteller in Bezug auf die verwendeten Speicher-Technologien, Alltagstauglichkeit und Preiskalkulation noch einiges einfallen lassen müssen, damit Deutschlands Autofahrer sich von der E-Mobilität elektrisieren lassen.

Der prickelnde Pepp scheint auch bei den Franzosen raus zu sein. Französische Hersteller, lange Zeit in deutschen Landen sehr beliebt, haben nämlich massiv an Zuspruch verloren. Galten die Modelle der gehobenen Klassen von Peugeot, Citroën und Renault einstmals als - durchaus gefragter - Inbegriff von automobiler Lebensart und Nonkonformismus, haben sie nunmehr dramatisch an Zuspruch und Klientel eingebüßt. Renault-Latitude und Citroën C6 verabschieden sich daher auf Nimmerwiedersehen von der Bildfläche.

Amerikanische Marken bilden das Schlusslicht Dodge und Cadillac

cadillac-escalade-smallDen letzten Platz in unserer Auflistung belegt die amerikanische Marke Dodge. In den USA von Konzernmutter Chrysler durchaus erfolgreich im mittleren Preissegment platziert, gelang es den Amerikaner nicht, auf deutschem Boden Fuß zu fassen. 2010 hat Chrysler die Marke Dodge daher wieder vom deutschen Markt genommen. Dodge-Modelle gelangen nunmehr über freie Importeure in den hiesigen Handel. Entsprechend gering sind die Verkaufszahlen. So kam der Dodge Avenger im Jahr 2012 gerade mal auf sechs Neuzulassungen. Der Dodge Caliber – vor Jahren mit großem Werbe-Tamtam ("grab life by the horns") präsentiert, fand lediglich 13 Käufer. Nicht viel besser steht der Dodge Nitro da, der es auf insgesamt 70 Zulassungen bringt.

„Size matters“, behauptete die amerikanische Werbung in den 60er/70er Jahren des letzten Jahrhunderts und verwies in den seinerzeitigen PR-Kampagnen ebenso stolz wie selbstbewusst auf die opulenten Blechkleider der wuchtigen Straßenkreuzer als schlagendes Verkaufsargument. Cadillac hält selbst in Zeiten eines ökologischen wie ökonomischen Paradigmenwechsels am Blechbarock jener Ära fest und lanciert den ausladenden Cadillac Escalade. Freilich ohne großen Erfolg. Das automobile Dickschiff kann lediglich 77 Zulassungen für sich verbuchen.

Japanische Oberklasse in den Niederungen des Fahrseins: Lexus LS und Infiniti EX

lexus-ls-smallAm mangelnden Kleingeld der vom Marketing ins Visier genommenen Käuferschicht wird es gewiss nicht gelegen haben, dass der Lexus LS lediglich 15-mal verkauft werden konnte. In Deutschland bleibt die automobile Oberklasse offenkundig fest in der Hand der inländischen Premium-Hersteller. An konkreter Qualität und Exklusivität fehlt es dem Lexus gleichwohl sicher nicht. Hierzulande hat die seit 1990 in Europa eingeführte Marke vermutlich eher ein Image-Problem. Ob die betuchte potentielle Käuferschicht vielleicht die Nähe zur Konzernmutter Toyota scheut? Unter einem ähnlichen Handicap leidet wohl auch Toyota-Konkurrent Nissan. Denn auch der Nissan-Luxusableger Infiniti bekleckert sich in Deutschland nicht gerade mit ruhmreichen Absatzzahlen. Die Nobel-Sänfte Infiniti EX 30d konnte gerade mal 69 Neuzulassungen auf sich vereinen. Und auch der Infiniti G37 ist bei uns kein Renner. Lediglich 38 Kunden unterzeichneten einen Kaufvertrag.

Au revouir: Renault Latitude und Citroen C6 werden eingestellt

citroen-c6-smallLang, lang ist’s her, dass die französische Oberklasse bei uns eine treue Fangemeinde hatte. Seit den glorreichen Tagen des sprichwörtlich vergötterten Citroen DS („La Déesse“ – die Göttin), der immerhin von 1955 bis 1975(!) produziert wurde, gelingt es den Franzosen nicht, einen vergleichbaren Geniestreich aufzulegen. Der extravagante Citroen C6 konnte nur 134 Käufer für sich begeistern. Eindeutig zu wenig, um eine Berechtigung zu haben. Die Produktion wurde folgerichtig eingestellt. Ob es überhaupt ein Nachfolgemodell geben wird, steht in den Sternen. Auch Renault zeigt in der Oberklasse kein Fortune. Der große Renault Latitude schaffte lediglich 116 Neuzulassungen. Nach nur zwei glücklosen Jahren nehmen die Franzosen den wenig beachteten Oberklässler wieder aus dem Programm.

Schwachstrom: Die Elektro-Mobile kommen nicht in Fahrt

Elektro-Autos sind ökologisch sinnvoll und politisch gewollt. Trotzdem kommt der Markt für Elektro-Fahrzeuge nicht so recht in Fahrt. Zu groß sind die technologische Probleme, zu hoch die Preise und zu gering der Gebrauchsnutzen vor allem für Vielfahrer. Hybrid-PKW wie der Vorreiter Toyota Prius erfreuen sich zwar einer gewissen Beliebtheit. Andere Hersteller hecheln jedoch hinterher – und leiden neben Akzeptanzprobleme in der Folge auch unter schwachen Absatzzahlen. Kriechstrom sozusagen. Immerhin hat Opel mit seinem Ampera (800 Neuzulassungen) die Marke von 1.000 verkauften Modellen in Reichweite. Andere Hersteller und Marken sind von diesem Ziel noch ziemlich weit entfernt. So bietet GM-Tochter Chevrolet den Ampera unter der Bezeichnung Volt an. Was sich GM-Marketingstrategen dabei denken, finden auch deutsche Käufer unergründlich. Gerade mal 25 Autofahrer waren daher bereit, sich für den baugleichen Doppelgänger zu entscheiden. Das zehnfache Käuferpotential (256 Modelle) kann immerhin der interessant designte Honda Insight auf sich vereinen, wenngleich auch diese absolute Zahl beim Finanzvorstand des japanischen Herstellers sicherlich keine Jubelstürme auslösen wird.

mitsubishi-i-miev-smallDer kleine Peugeot iOn fand lediglich 263 Käufer. Eigentlich hatte Peugeot eine Verkaufszahl von 800 angepeilt. Immerhin hatten zuvor 1.600 Autofahrer ihr Kaufinteresse auf der dafür eingerichteten Website bekundet. Vor allem das Leasing-Geschäft sollte den Absatz ankurbeln. Offenkundig ging diese Rechnung im Jahr 2012 für Peugeot nicht auf. Kleiner Trost: Der Mitsubishi i-MiEV steht keineswegs besser da. Der japanische Stromer kann lediglich 96 Kaufkontrakte vorweisen. Üben sich potentielle Kunden etwa in Kaufzurückhaltung, weil sie aufgrund der etwas unglücklichen Namensgebung unangenehme Geruchsbelästigungen befürchten? Im Ernst: Elektromobilität hat ein massives Akzeptanzproblem, da es den Fahrzeugen (noch) an effektivem Gebrauchsnutzen fehlt – jedenfalls für Vielfahrer und Berufspendler. Somit entfallen die meisten der ohnedies niedrigen Zulassungszahlen auf das Gewerbe oder die öffentliche Hand. Elektro-Mobile dienen aufgrund ihrer Exotik dann gern als auffällige Werbeträger im urbanen Straßenbild. Trotz der überschaubaren Absatzzahlen üben sich alle Automobilhersteller zur Zeit noch in demonstrativer Gelassenheit. Denn gegenwärtig sind die Märkte noch sehr klein und die technologischen Probleme eher groß. Eklatant sind vor allem die Schwierigkeiten bei der Herstellung einer Batterie, die einerseits ausreichende Leistung und Reichweiten ermöglicht, andererseits aber bezahlbar sein soll.

Und Tschüss: Abschied von Modellen und Marken

daihatsu-sirion-smallFällt es automobilen Sparbrötchen etwa grundsätzlich leichter, sich in die Herzen der deutschen Kundschaft zu fahren? Nun ja, auch hier mögen die Käufer wohl ebenfalls nicht auf ein gewisses Marken-Image und natürlich auch nicht auf ein flächendeckendes Werkstattnetz verzichten. Wie anders ist es zu erklären, dass der relativ billige Lada keine bedeutenden Marktanteile erringen kann? Der bereits 2011 eingestellte Lada Kalina fand freilich noch 72 Käufer. Vom Markt hat sich auch der VW Fox verabschiedet. Vom Kleinwagen, den Volkswagen durch den VW up! ersetzte, wurden noch 148 Exemplare an den Mann respektive die Frau gebracht.

„Ciao“ heißt es für den Lancia Musa. Der Mini-Van vermochte den Sinkflug der italienischen Marke nicht zu stoppen. Gerade mal 318 Käufer entschieden sich für die italienische Familienkutsche. Konzernmutter Fiat nahm den Musa daher aus dem Programm. Doch schlimmer geht immer! Denn Lancia-Fans mussten 2012 einen noch viel herberen Schlag hinnehmen. Fiat hat fertig mit Lancia. Bis auf den Ypsilon werden alle Lancias nunmehr von Chrysler gefertigt. Ob dadurch die Marke wirklich am Leben erhalten werden kann? Wenigstens bleibt der traditionsbehaftete Name noch präsent. Ganz anders ergeht es Daihatsu. Die Toyota-Tochter zieht sich Ende Januar dieses Jahres komplett vom europäischen Markt – und damit auch aus Deutschland – zurück. Der Absatz des auf Kleinst- und Kleinwagen spezialisierten Herstellers ist zuvor dramatisch eingebrochen. Noch 2008 hatten die Japaner allein in Deutschland 13.700 Einheiten vermarkten können. Im letzten Jahr konnten sich hingegen lediglich 367 Kunden für den früher eigentlich recht beliebten Sirion erwärmen. Der damaligen Abwrackprämie sei Dank! Mittlerweile beträgt Daihatsus Marktanteil in Deutschland nur noch 0,2 Prozent.

Mit dem Rückzug des japanischen Herstellers endet eine Story, die 1977 in Deutschland mittels freier Importeure ihren Anfang nahm. Seit 1989 war Daihatsu in Deutschland offiziell vertreten. Zur Beruhigung aller Daihatsu-Eigner: Der Importeur sicherte zu, dass die Garantieansprüche und die Ersatzteilversorgung sichergestellt seien. Dem Vernehmen nach will der Importeur seinen bisherigen Händlern anbieten, als Service-Partner weiterhin Garantiefälle zu bearbeiten und Wartungs- oder Reparaturarbeiten durchzuführen. Gleichwohl beliebt es beim Abschied von Daihatsu aus Europa und Deutschland. Na denn: „Sayounara“ (auf Wiedersehen)?

 

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